Krisen sind bewältigbar.
Shownotes
"Bleibt nicht allein, dann habt ihr es leichter", das möchte Caroline anderen Menschen mitgeben.
Sie glaubt, "es ist so viel leichter, aus einer Krise wieder herauszukommen, wenn man sich nicht alleine damit auseinandersetzt und um sich kreist, sondern jemanden hat, der einen sieht und einem hilft, sich zu sortieren und gemeinsam zu überlegen, 'Wie können denn jetzt neue Wege aussehen?' "
Caroline Hesse bietet als systemische Beraterin und Krisenbegleiterin beim Arbeitskreis Leben Heilbronn Gesprächsangebote für Menschen in schweren Lebenskrisen - oft mit suizidalen Gedanken - und ist für Menschen da, die sich Sorgen um jemanden machen. Auch Menschen, die um jemanden trauern, der durch Suizid gestorben ist, kommen zu ihr.
Caroline legt in ihrer Arbeit immer wieder den Fokus auf das, was stärkt. Deshalb ist eines ihrer Herzensprojekte auch die Präventionsarbeit in Schulen und anderen Einrichtungen. Dort spricht sie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen darüber, was Ihnen Kraft geben kann und vermittelt Wissen und Fakten. Den gemeinsam mit dem Team des AKL ist sie der Meinung, je "mehr Wissen man hat zu Themen, auch zu solchen schweren Lebensthemen, umso sicherer ist man doch dann, wenn es eintritt."
In dieser Folge hörst du, welche Rolle es für Caroline Hesse gespielt hat, dass sie sich schon früh ehrenamtlich sozial engagiert hat und wie sie vom Betriebswirtschaftslehre-Studium in der Krisenberatung gelandet ist.
Kontakte zu den lokalen Stellen des AKL und mehr zur Suizidprävention in Baden-Würtemberg unter suizidpraevention-bw.de.
Hier findest du die weiteren empfohlenen Hilfsangebote: Chatseelsorge: www.telefonseelsorge.de/chat/ Telefonseelsorge: https://www.telefonseelsorge.de/ KrisenKompass-App: Hilfe zur Selbsthilfe: www.telefonseelsorge.de/krisenkompass Online-Beratung für suizidgefährdete junge Menschen [U25]: u25-deutschland.de
Der Arbeitskreis Leben Heilbronn ist ein eingetragener Verein, der sich u. A. aus Spenden und Bußgelder finanziert. Gefördert wird er durch die evangelische und katholische Kirche, das Land Baden-Württemberg und den Stadt- und Landkreis Heilbronn. Kontakt: akl-heilbronn@ak-leben.de, 07131 164251
Mit HOLY.BRONX macht sich Sarah Harst auf die Suche nach Menschen und ihren Geschichten. Sie fragt, was heute wichtig, wertvoll und heilig ist oder sein könnte.
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Dieser Podcast ist Teil des wirdwas.fyi-Netzwerks für junge Erwachsene in der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Transkript anzeigen
00:00:02: Speaker: Hallo und herzlich willkommen bei HOLY.BRONX,
00:00:04: Speaker: dem Podcast aus Heilbronn, bei dem ich mich auf die
00:00:08: Speaker: Suche mache nach den Geschichten von jungen Menschen. Und
00:00:11: Speaker: heute habe ich die Caroline Hesse zu Gast. Caroline,
00:00:13: Speaker: schön, dass du da bist. Ja,
00:00:15: Speaker: vielen Dank für die Einladung. Heute
00:00:17: Speaker: habe ich euch eine kleine Triggerwarnung,
00:00:19: Speaker: bevor wir in das Thema
00:00:20: Speaker: starten. Heute
00:00:21: Speaker: geht es um das Thema Suizid
00:00:23: Speaker: und suizidale Krisen und um
00:00:26: Speaker: den Arbeitskreis Leben, kurz AKL.
00:00:29: Speaker: Und
00:00:29: Speaker: wenn das ein Thema ist, das warum auch immer gerade bei dir irgendwas
00:00:33: Speaker: auslöst, wo du sensibel reagierst, dann hör doch
00:00:36: Speaker: den Podcast lieber mit einer vertrauten Person. Das
00:00:39: Speaker: ist uns beiden wichtig, dass du
00:00:42: Speaker: im Zweifelsfall auch die Folge
00:00:43: Speaker: unterbrechen kannst, dass du
00:00:45: Speaker: mit jemandem ins Gespräch kommen
00:00:46: Speaker: kannst. Und
00:00:47: Speaker: wenn du jetzt gerade niemanden um dich rum hast oder einfach
00:00:50: Speaker: jemanden zum Reden brauchst, dann wende dich an die lokale
00:00:54: Speaker: Beratungsstelle vom AKL. Die
00:00:56: Speaker: Kontakte findest du unter suizidpraevention-bw.de
00:00:59: Speaker: oder wenn
00:01:01: Speaker: du jetzt gerade akut jemanden
00:01:02: Speaker: zum Reden brauchst oder zum
00:01:04: Speaker: Schreiben, dann empfehlen wir
00:01:06: Speaker: dir die Chat- oder Telefonseelsorge.
00:01:08: Speaker: Die
00:01:08: Speaker: ist einfach rund um die Uhr da. Da
00:01:10: Speaker: kannst du deine Gedanken, was dich
00:01:11: Speaker: gerade beschäftigt, loswerden
00:01:13: Speaker: oder auch in ein Gespräch
00:01:15: Speaker: kommen. Und
00:01:17: Speaker: ein weiteres Angebot, was wir
00:01:19: Speaker: dir ans Herz legen möchten oder
00:01:20: Speaker: Menschen in deinem Umfeld ist
00:01:22: Speaker: die U25 Peer-to-Peer der Caritas.
00:01:26: Speaker: Da
00:01:27: Speaker: unterstützen Menschen sich gegenseitig. Für
00:01:29: Speaker: junge Menschen unter 25. Das
00:01:32: Speaker: findest du unter u25-deutschland.de. Und
00:01:36: Speaker: jetzt freue ich mich, dass wir
00:01:38: Speaker: in den Podcast starten können.
00:01:40: Speaker: Und
00:01:41: Speaker: Caroline, wir haben jetzt schon so ein paar Sachen gehört über
00:01:43: Speaker: ein AKL. Es
00:01:44: Speaker: geht heute um Suizid und suizidale Krisen. Erzähl
00:01:48: Speaker: doch mal, was ist deine Aufgabe beim AKL Heilbronn? Ich
00:01:52: Speaker: arbeite im AKL Heilbronn in der Beratungsstelle und biete Gesprächsangebote
00:01:58: Speaker: an für Menschen in Lebenskrisen, in schweren
00:02:01: Speaker: Lebenskrisen, oft auch mit suizidalen Gedanken und bin aber
00:02:06: Speaker: auch da für Menschen, die sich Sorgen machen um jemanden. Also
00:02:09: Speaker: wenn man sich Sorgen macht um einen Freund oder jemanden aus
00:02:13: Speaker: der Familie, kann man auch sehr gerne Gesprächsangebote bei uns
00:02:16: Speaker: bekommen, um nicht alleine mit der Situation zu sein. Und
00:02:20: Speaker: ich bin aber auch da für Menschen,
00:02:21: Speaker: die um jemanden trauern,
00:02:23: Speaker: der durch Suizid gestorben
00:02:24: Speaker: ist. Auch
00:02:25: Speaker: da denken wir, dass es gut ist, jemanden an die Seite zu bekommen
00:02:29: Speaker: und nicht alleine durch diese Situation gehen zu müssen. Ja.
00:02:33: Speaker: Und außerdem bin ich da als Leiterin
00:02:37: Speaker: für die Trauergruppe für
00:02:39: Speaker: Menschen, die jemanden durch Suizid
00:02:40: Speaker: verloren haben und gehe auch
00:02:42: Speaker: in Schulen, um mit jungen Menschen
00:02:44: Speaker: darüber zu sprechen, wie
00:02:45: Speaker: Krisen im Leben vorkommen und
00:02:47: Speaker: wie man diese leichter bewältigen
00:02:50: Speaker: kann, was man tun kann.
00:02:51: Speaker: Und
00:02:51: Speaker: das ist auch so ein bisschen der
00:02:52: Speaker: Fokus für unser heutiges Thema.
00:02:54: Speaker: Wir
00:02:54: Speaker: haben gesagt, wir legen den Fokus
00:02:56: Speaker: heute noch mal auf junge Menschen.
00:02:58: Speaker: Warum
00:02:59: Speaker: dort auch immer wieder Krisen im Leben vorkommen und was
00:03:02: Speaker: man tun kann. Und
00:03:05: Speaker: jetzt ist es ja schon ein Job,
00:03:06: Speaker: wo es wahrscheinlich nicht einfach
00:03:08: Speaker: ist. Das
00:03:09: Speaker: fordert sicher viel Mut und Kraft. Was
00:03:11: Speaker: hat dich damals motiviert, dich beim AKL zu bewerben? Also
00:03:15: Speaker: für mich gab es ganz viele Gründe,
00:03:18: Speaker: mich beim AKL zu bewerben.
00:03:20: Speaker: Zum
00:03:20: Speaker: einen habe ich schon ganz früh
00:03:22: Speaker: angefangen, mich sozial zu engagieren,
00:03:23: Speaker: schon in der Schulzeit.
00:03:24: Speaker: Also
00:03:25: Speaker: es war etwas, was mir schon früh viel Freude gemacht hat. Und
00:03:28: Speaker: tatsächlich war es so, dass ich
00:03:30: Speaker: zu Beginn meines Studiums einen
00:03:32: Speaker: ganz schweren Unfall hatte,
00:03:33: Speaker: den ich nur ganz knapp überlebt
00:03:34: Speaker: habe. Und
00:03:36: Speaker: der hat aber dazu geführt, dass ich immer sehr achtsam war mit
00:03:40: Speaker: dem, wie ich die gewonnene Zeit für mich nutzen möchte. Schön.
00:03:45: Speaker: Ja,
00:03:45: Speaker: und das hat tatsächlich dazu geführt,
00:03:48: Speaker: dass ich dann zum einen sehr
00:03:49: Speaker: früh schon im sozialen Bereich
00:03:51: Speaker: gearbeitet habe, eigentlich
00:03:52: Speaker: direkt nach dem Studium,
00:03:54: Speaker: und dann auch mich habe ausbilden
00:03:56: Speaker: lassen, zur Beraterin, zum
00:03:59: Speaker: Coach, zur Therapeutin, systemisch.
00:04:01: Speaker: Genau.
00:04:02: Speaker: Und
00:04:02: Speaker: dann kam es eben auch noch so, dass ich im sozialen Umfeld einige
00:04:06: Speaker: Berührungspunkte hatte mit dem Thema suizidale Krise. Und
00:04:11: Speaker: als dieses Ehrenamt dann hier
00:04:13: Speaker: in Heilbronn auf mich zukam -
00:04:14: Speaker: also erst mal das Ehrenamt - war
00:04:17: Speaker: das für mich sehr schlüssig, mich
00:04:20: Speaker: da zu bewerben und ja, diese,
00:04:23: Speaker: mich in dieser Aufgabe zu engagieren.
00:04:26: Speaker: Damals
00:04:26: Speaker: hatte ich tatsächlich. Also
00:04:28: Speaker: es ging erst mal um das Ehrenamt. Das
00:04:30: Speaker: war mir noch nicht klar, dass
00:04:30: Speaker: das später so eine Aufgabe wird,
00:04:34: Speaker: die so viel Raum in meinem Leben
00:04:35: Speaker: einnimmt. Aber
00:04:36: Speaker: jetzt, seit gut fünf Jahren,
00:04:39: Speaker: bin ich jetzt hier fest angestellt.
00:04:41: Speaker: Und
00:04:42: Speaker: genau so nimmt das einen großen
00:04:43: Speaker: Teil meiner Zeit in Anspruch,
00:04:46: Speaker: und auch gerne in Anspruch.
00:04:48: Speaker: Das
00:04:48: Speaker: heißt, ihr arbeitet mit mehreren
00:04:50: Speaker: Ehrenamtlichen zusammen,
00:04:51: Speaker: die auch Gesprächsangebote
00:04:53: Speaker: anbieten? Ja,
00:04:54: Speaker: tatsächlich haben wir 20 ehrenamtliche Krisenbegleiter:innen
00:04:57: Speaker: genau, die von uns ausgebildet werden. Also
00:05:00: Speaker: es war bei mir damals auch so,
00:05:01: Speaker: dass ich erstmal noch die Ausbildung
00:05:03: Speaker: zur Krisenbegleiterin gemacht
00:05:05: Speaker: habe, obwohl ich schon auch
00:05:06: Speaker: gesprächstherapeutisch ausgebildet
00:05:08: Speaker: war. Aber
00:05:08: Speaker: das muss trotzdem bei uns jeder. Genau.
00:05:11: Speaker: Und
00:05:11: Speaker: dann machen die Krisenbegleiter:innen
00:05:13: Speaker: bei uns aber
00:05:13: Speaker: hauptsächlich die aufsuchende
00:05:15: Speaker: Arbeit in den Kliniken.
00:05:16: Speaker: Okay.
00:05:17: Speaker: Also
00:05:17: Speaker: gar nicht die Beratungsstellen
00:05:18: Speaker: Arbeit, die ich hauptsächlich
00:05:19: Speaker: mache, sondern die machen
00:05:20: Speaker: tatsächlich die aufsuchende
00:05:22: Speaker: Arbeit für Menschen, die
00:05:24: Speaker: einen Suizidversuch gemacht haben
00:05:25: Speaker: und dann in den Kliniken aufwachen.
00:05:29: Speaker: Und
00:05:29: Speaker: genau bieten dort eben in dieser
00:05:32: Speaker: ganz sensiblen Phase Gespräche
00:05:33: Speaker: an. Und
00:05:34: Speaker: sind vielleicht auch einfach da? Ja,
00:05:36: Speaker: sind da. Genau
00:05:37: Speaker: ohne Vorurteile da, schenken ihre Zeit und zeigen, dass
00:05:42: Speaker: es wichtig ist, nicht alleine zu sein. Schön.
00:05:45: Speaker: Ja,
00:05:45: Speaker: vielen Dank. Dann
00:05:46: Speaker: schon mal auch an die ehrenamtlichen
00:05:48: Speaker: Krisenbegleiter, Krisenbegleiterinnen
00:05:51: Speaker: ein herzliches
00:05:52: Speaker: Dankeschön auch an dieser
00:05:53: Speaker: Stelle für diese wertvolle
00:05:54: Speaker: Arbeit. Ja,
00:05:55: Speaker: auch von mir. Also
00:05:56: Speaker: ja, ich bin sehr, sehr froh,
00:05:58: Speaker: dass wir so ein großes Team
00:05:59: Speaker: sind. Ja!
00:06:01: Speaker: Und
00:06:02: Speaker: jetzt geht es uns ja heute auch einfach um junge Menschen. Was
00:06:05: Speaker: würdest du sagen, mit welchen Schwierigkeiten haben junge
00:06:08: Speaker: Menschen ganz allgemein in der heutigen Zeit zu kämpfen? Also
00:06:12: Speaker: ich glaube, zum einen haben junge
00:06:15: Speaker: Menschen damit zu kämpfen, dass
00:06:16: Speaker: seit der Coronakrise eine große
00:06:19: Speaker: Unsicherheit herrscht darüber,
00:06:22: Speaker: wie die Zukunft aussehen
00:06:23: Speaker: wird. Und
00:06:26: Speaker: das wird natürlich noch geschürt
00:06:27: Speaker: aktuell durch Kriegssituationen,
00:06:29: Speaker: durch politische
00:06:31: Speaker: Grabenkämpfe. Und
00:06:33: Speaker: andererseits gibt es aber auch
00:06:36: Speaker: die Digitalisierung, die vielleicht
00:06:38: Speaker: dazu führt, dass man das
00:06:39: Speaker: Gefühl hat, man hat eigentlich
00:06:41: Speaker: ein Überangebot an Möglichkeiten,
00:06:44: Speaker: sowohl was die berufliche
00:06:46: Speaker: Laufbahn angeht, als auch
00:06:47: Speaker: was die Partnerschaft angeht.
00:06:49: Speaker: Ich
00:06:49: Speaker: glaube, auch das führt zu viel Überforderung. Und
00:06:53: Speaker: Einsamkeit spielt leider eine
00:06:55: Speaker: große Rolle, auch bei jungen
00:06:56: Speaker: Menschen. Würdest
00:06:59: Speaker: du sagen, beobachtest du, dass das in den letzten Jahren
00:07:01: Speaker: stärker geworden ist? Also
00:07:04: Speaker: die Effekte, die du gerade beschreibst? Ja,
00:07:07: Speaker: kann ich tatsächlich so unterschreiben. Okay.
00:07:10: Speaker: Und
00:07:11: Speaker: jetzt hast du gerade schon angesprochen,
00:07:13: Speaker: digitaler Wandel, digitale
00:07:15: Speaker: Welt. Würdest
00:07:16: Speaker: du sagen, dass diese digitalen Medien, Thema soziale Medien
00:07:21: Speaker: oder vielleicht auch pseudosoziale Medien, da auch eine
00:07:25: Speaker: Rolle spielen? Auf
00:07:27: Speaker: jeden Fall. Ich
00:07:27: Speaker: glaube, das ist eine große Herausforderung
00:07:29: Speaker: ist für junge Menschen,
00:07:31: Speaker: damit umzugehen und auch
00:07:33: Speaker: damit umzugehen, Kommentare zu
00:07:36: Speaker: bekommen, die vielleicht auch würdelos
00:07:40: Speaker: sind, mit denen man zurechtkommen
00:07:42: Speaker: muss. Also
00:07:43: Speaker: man sagt, Mobbing ist einer der
00:07:45: Speaker: größten Krisenauslöser unter jungen
00:07:47: Speaker: Menschen. Und
00:07:48: Speaker: ich glaube, dass da die sozialen
00:07:49: Speaker: Medien eine große Rolle spielen,
00:07:51: Speaker: damit zurechtzukommen: Wie
00:07:54: Speaker: werde ich gesehen, Wie werde ich
00:07:55: Speaker: anerkannt? Sich
00:07:58: Speaker: auch zu vergleichen natürlich mit anderen. Ja,
00:08:02: Speaker: das ist eine große Herausforderung in meinen Augen. Und
00:08:04: Speaker: dann? Du
00:08:04: Speaker: hast das Thema Einsamkeit angesprochen. Wahrscheinlich
00:08:07: Speaker: ist dann ja auch immer... Ich
00:08:09: Speaker: denke also, von dem, was ich jetzt bisher beobachten kann, ist
00:08:13: Speaker: es oft ja meistens nicht ein Faktor, sondern es ist ja oft eine
00:08:17: Speaker: Kombination, oder? Also
00:08:20: Speaker: zum Beispiel, dass die sozialen Medien alleine werden jetzt
00:08:23: Speaker: wahrscheinlich eher weniger einen Einfluss haben. Aber
00:08:26: Speaker: wenn dann zum Beispiel das Thema
00:08:27: Speaker: Einsamkeit oder die Krisensituationen,
00:08:31: Speaker: die Zukunftsängste
00:08:32: Speaker: zusammenkommen, kann
00:08:33: Speaker: das ja dann oft auch Auslöser
00:08:35: Speaker: sein, wirklich in eine Krise
00:08:38: Speaker: zu kommen, die sich auch längerfristig
00:08:39: Speaker: zieht. Auf
00:08:40: Speaker: jeden Fall. Also
00:08:41: Speaker: oft kommen verschiedene Krisenauslöser
00:08:44: Speaker: zusammen und Bedürfnisse,
00:08:46: Speaker: die nicht erfüllt sind.
00:08:48: Speaker: Das
00:08:48: Speaker: ist nicht nur ein Auslöser oft, sondern oft vielleicht auch ein
00:08:53: Speaker: Beschleuniger in dem, was sowieso schon wabert. Aber
00:08:58: Speaker: es gibt, also es gibt immer Auslöser für Krisen. Ja.
00:09:02: Speaker: Und was würdest du sagen? Was
00:09:04: Speaker: beobachtest du, was Menschen ganz konkret dazu bringt, einen Suizidversuch
00:09:10: Speaker: zu erwägen? Also
00:09:11: Speaker: ich erlebe die unterschiedlichsten Krisenauslöser
00:09:14: Speaker: in all den Jahren, die ich jetzt schon beim AKL
00:09:16: Speaker: bin oder auch im Leben bin, würde ich sagen. Ja.
00:09:20: Speaker: Das geht von schwierigen familiären
00:09:24: Speaker: Situationen, Streitigkeiten,
00:09:25: Speaker: Verlusten über Erkrankungen,
00:09:29: Speaker: psychische Erkrankungen,
00:09:30: Speaker: aber auch körperliche
00:09:31: Speaker: Erkrankungen, finanzielle
00:09:34: Speaker: Notlagen. Es
00:09:35: Speaker: gibt die unterschiedlichsten Krisenauslöser,
00:09:38: Speaker: die dann dazu führen,
00:09:39: Speaker: eine solche Entscheidung zu
00:09:41: Speaker: treffen. Genau
00:09:42: Speaker: das könnte ich jetzt noch weiter ausholen. Aber
00:09:44: Speaker: da gibt es wirklich ganz viel. Kein
00:09:46: Speaker: Schicksal ist wie das wie das andere. Also
00:09:49: Speaker: ich erlebe jeder Mensch, der
00:09:51: Speaker: zu mir kommt, der hat eine ganz
00:09:52: Speaker: andere Geschichte und ganz eigene
00:09:55: Speaker: Krisenauslöser und Bedürfnisse,
00:09:57: Speaker: die nicht erfüllt sind,
00:09:59: Speaker: die dahinter stecken oder Gefühle.
00:10:02: Speaker: Ja.
00:10:02: Speaker: Und du hast es gerade schon gesagt:
00:10:04: Speaker: in die Beratung kommen Menschen
00:10:05: Speaker: zu dir, mit ganz unterschiedlichen
00:10:08: Speaker: Bedürfnissen, Problemen,
00:10:10: Speaker: Krisen. Gibt
00:10:12: Speaker: es so ein Ding, was du sagst,
00:10:14: Speaker: das möchtest du den Menschen
00:10:16: Speaker: mitgeben? Entweder
00:10:18: Speaker: deinen Klienten und Klientinnen
00:10:20: Speaker: oder aber auch vielleicht
00:10:22: Speaker: den Menschen allgemein.
00:10:25: Speaker: Was
00:10:25: Speaker: ich ihnen auf jeden Fall mitgeben
00:10:27: Speaker: möchte ist, 'Krisen sind
00:10:29: Speaker: bewältigbar, bleibt nicht allein,
00:10:31: Speaker: dann habt ihr es leichter'.
00:10:33: Speaker: Also
00:10:33: Speaker: ich glaube, es ist so viel leichter,
00:10:36: Speaker: aus einer Krise wieder rauszukommen,
00:10:39: Speaker: wenn man sich nicht
00:10:40: Speaker: alleine damit auseinandersetzt
00:10:41: Speaker: und um sich kreist,
00:10:43: Speaker: sondern jemanden hat, der
00:10:45: Speaker: einen sieht und der einem hilft,
00:10:47: Speaker: sich zu sortieren und gemeinsam
00:10:49: Speaker: zu überlegen, 'Wie können
00:10:51: Speaker: denn jetzt neue Wege aussehen?'.
00:10:53: Speaker: Ich
00:10:54: Speaker: glaube, also ich glaube da ganz fest an die Wirkung. Ja,
00:10:58: Speaker: also das Statement 'Krisen sind bewältigbar',
00:11:02: Speaker: das hast du mir in
00:11:03: Speaker: unserem Vorgespräch auch schon mitgegeben.
00:11:05: Speaker: Ich finde,
00:11:06: Speaker: das fasst es irgendwie auch total gut zusammen, weil,
00:11:09: Speaker: also ich glaube, wenn ich mich so in meinem persönlichen Umfeld
00:11:13: Speaker: umhöre, ich glaube, jeder hat irgendwie mit schwierigen Phasen
00:11:17: Speaker: zu kämpfen. Ich würde
00:11:18: Speaker: auch sagen, ich hatte auch immer wieder Tiefpunkte in meinem Leben
00:11:21: Speaker: und da war es immer gut, dass jemand da war. Sei es
00:11:26: Speaker: jetzt meine Familie, sei es jetzt
00:11:28: Speaker: Freundschaften, sei es eine Partnerschaft.
00:11:30: Speaker: Einfach zu
00:11:31: Speaker: wissen, ich bin nicht alleine. Und manchmal
00:11:34: Speaker: aber auch irgendwie so dieses, alleine zu wissen, ich kann
00:11:38: Speaker: mich jetzt gerade ausheulen, auskotzen und dann... Manchmal ist
00:11:42: Speaker: es irgendwie schon das Ziel zu sagen: okay, ich hoffe darauf,
00:11:46: Speaker: dass es morgen nicht mehr ganz so schlimm ist. Auf jeden
00:11:49: Speaker: Fall. Und ich
00:11:50: Speaker: glaube, es ist ganz wichtig, auch
00:11:51: Speaker: dieses Selbstverständnis zu
00:11:52: Speaker: haben, zu sagen, Krisen
00:11:54: Speaker: gehören zu unser aller Leben
00:11:55: Speaker: dazu und keiner muss sich dafür
00:11:57: Speaker: schämen, auch mal unsicher zu
00:11:59: Speaker: sein und gerade nicht zu
00:12:00: Speaker: wissen, 'Wie geht es jetzt weiter?
00:12:02: Speaker: Wie? Wie
00:12:03: Speaker: finde
00:12:03: Speaker: ich da jetzt einen Umgang damit? Was jetzt
00:12:05: Speaker: gerade los ist in meinem Leben? Und wie
00:12:07: Speaker: stärke ich mich da mit anderen Menschen?', so wie du es gerade gesagt
00:12:10: Speaker: hast. Ja. Ja
00:12:11: Speaker: und vielleicht auch, weil wir es vorhin über Social Media hatten, man
00:12:15: Speaker: sieht da ja auch, also ich weiß nicht, du hast es vielleicht mitbekommen,
00:12:18: Speaker: ich bin in dem Sinnfluencing-Netzwerk der Diözese,
00:12:21: Speaker: mit der ich auch einen Podcast mache. Und es
00:12:24: Speaker: ist ja oft so, dass in Social Media
00:12:26: Speaker: einfach auch oft vor allem
00:12:29: Speaker: das Positive gezeigt wird, aber
00:12:31: Speaker: das heißt ja nicht, dass da
00:12:32: Speaker: nicht ein Mensch dahinter steckt,
00:12:34: Speaker: der oder die genauso struggled
00:12:36: Speaker: gerade mit dem, was
00:12:38: Speaker: eben nicht perfekt läuft. Oder,
00:12:40: Speaker: ich
00:12:41: Speaker: kriege es jetzt auch gerade von Kolleginnen und Kollegen mit,
00:12:44: Speaker: die dann auch viel negatives Feedback bekommen, und da immer
00:12:48: Speaker: wieder zu sagen, das muss ich nicht allein bewältigen, und
00:12:54: Speaker: wir tauschen uns da auch im Netzwerk viel aus, finde ich
00:12:58: Speaker: total wichtig. Ja. Vielleicht
00:13:03: Speaker: hast du jetzt aus deiner Beratungssituation, aus deinen Gesprächssituationen
00:13:07: Speaker: so ein, zwei Erinnerungen, Momente, die dich
00:13:10: Speaker: besonders geprägt haben oder wo du gemerkt hast, 'boah, meine Arbeit
00:13:15: Speaker: ist voll wertvoll, ist voll wichtig'. Magst du
00:13:18: Speaker: uns da mal mit in so eine Situation reinnehmen? Ich nehme
00:13:21: Speaker: euch gerne mit rein. Tatsächlich habe
00:13:23: Speaker: ich das zum Glück sehr oft muss ich sagen, dass ich
00:13:26: Speaker: doch viele richtig schöne Rückmeldungen bekomme von Menschen, mit
00:13:30: Speaker: denen ich spreche. Das trägt
00:13:32: Speaker: mich natürlich auch und ich
00:13:34: Speaker: muss an mehrere Menschen denken. Aber
00:13:36: Speaker: ich
00:13:36: Speaker: denke jetzt gerade an eine Begleitung von einem Mann, der nach
00:13:42: Speaker: einem Suizidversuch mit mir gesprochen hat und sich sehr geschämt hat
00:13:46: Speaker: dafür, dass er überhaupt an diesen Punkt kam und sich
00:13:50: Speaker: mir dann nach und nach geöffnet hat und erzählt hat, was die
00:13:53: Speaker: Beweggründe waren, mit was er zu kämpfen hat und dann auch gespürt
00:14:00: Speaker: hat, dass ja, dass er bei mir, glaube ich, so einen geschützten Raum
00:14:04: Speaker: hat, in dem er sich nicht schämen muss und in dem er
00:14:07: Speaker: gesehen wird. Und es
00:14:09: Speaker: ist mir immer ganz wichtig, natürlich auch zu gucken, was
00:14:13: Speaker: kann jetzt wieder Kraft geben, was kann aufbauen. Das ist
00:14:17: Speaker: immer ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit. Und da
00:14:19: Speaker: war ein wichtiges Element für ihn, auch seine handwerklichen Fähigkeiten
00:14:24: Speaker: wieder zu entdecken. Okay. Und
00:14:27: Speaker: tatsächlich
00:14:28: Speaker: hatten wir das dann besprochen,
00:14:29: Speaker: dass er das mal wieder ausprobiert
00:14:31: Speaker: bis zur nächsten, bis
00:14:33: Speaker: wir uns wieder gesehen haben.
00:14:34: Speaker: Und genau.
00:14:35: Speaker: Und dann
00:14:35: Speaker: kam er wieder und hatte sich eben
00:14:38: Speaker: dann auch die Materialien besorgt
00:14:39: Speaker: und angefangen wieder
00:14:41: Speaker: zu werkeln und hat mir
00:14:42: Speaker: dann voller Stolz auch was geschenkt.
00:14:45: Speaker: Also besitze
00:14:45: Speaker: ich tatsächlich auch noch. Finde ich
00:14:46: Speaker: ganz schön und genau und hat dann aber auch andere haben das
00:14:50: Speaker: dann auch gesehen aus seinem sozialen Umfeld. Und da
00:14:54: Speaker: hat er dann viel Anerkennung und
00:14:55: Speaker: Bewunderung dafür bekommen.
00:14:57: Speaker: Und das
00:14:57: Speaker: hat ihn dann auch wieder extrem aufgebaut, dass er wieder was hatte,
00:15:03: Speaker: auf was er auch stolz ist, was er kann. Und das
00:15:06: Speaker: hatte dann so eine ganz schöne Wirkung. Und wenn
00:15:09: Speaker: ich so Erfahrungen mache, das freut mich einfach riesig, wenn
00:15:13: Speaker: ich merke, so Impulse, die wirken dann so direkt und
00:15:17: Speaker: haben dann irgendwie eine positive Wirkung. Also es
00:15:19: Speaker: muss natürlich nicht sein. Es gehört
00:15:21: Speaker: natürlich auch dazu, immer viel
00:15:22: Speaker: Schwere auch miteinander auszuhalten.
00:15:24: Speaker: Das ist
00:15:24: Speaker: auch völlig in Ordnung. Aber es
00:15:26: Speaker: ist natürlich auch schön, dann auch solche Erlebnisse zu
00:15:29: Speaker: haben mit Menschen, die zu mir kommen. Ja, spannend
00:15:32: Speaker: und ist ja auch irgendwie cool, dass es eigentlich was
00:15:35: Speaker: ist, was vielleicht mal erst mal gar nichts zu
00:15:37: Speaker: tun hat, aber irgendwie dann ins Tun kommen, ins Werkeln
00:15:40: Speaker: kommen. Ja, total
00:15:43: Speaker: spannender Aspekt. Ja. Wie
00:15:46: Speaker: lange dauern dann so Begleitungsphasen? Ist das
00:15:49: Speaker: ganz unterschiedlich oder gibt es da so, dass du sagst, in
00:15:54: Speaker: der Regel geht es so und so lang? Ist tatsächlich
00:15:57: Speaker: wirklich individuell sehr
00:15:58: Speaker: unterschiedlich. Manchmal
00:15:59: Speaker: ist
00:15:59: Speaker: es ein Gespräch, aber oft sind es auch drei, vier oder fünf
00:16:03: Speaker: Gespräche. Ja, oder
00:16:05: Speaker: je nachdem auch länger. Gerade Menschen
00:16:07: Speaker: in Trauer begleite ich oft länger. Menschen, die
00:16:10: Speaker: sich Sorgen um jemanden machen. Da sind
00:16:14: Speaker: oft die wenigsten Gespräche notwendig, weil es da oft auch
00:16:18: Speaker: hilfreiche Tipps und Einordnungen reichen, auch um dann erstmal
00:16:23: Speaker: weiterzugehen. Genau. Aber
00:16:26: Speaker: es
00:16:26: Speaker: ist wirklich individuell sehr unterschiedlich und das schätze ich
00:16:29: Speaker: auch sehr, dass wir schnell da sein können. Also bei
00:16:32: Speaker: uns bekommt man immer noch innerhalb von einer Woche oft einen
00:16:37: Speaker: ersten Termin und das ist ein riesiges Glück und ich hoffe, dass
00:16:41: Speaker: wir das noch ganz lange so halten können. Führt aber
00:16:44: Speaker: natürlich dazu, dass wir nicht
00:16:46: Speaker: immer so lange begleiten können.
00:16:48: Speaker: Also wenn
00:16:48: Speaker: dann Therapieplatz auch notwendig
00:16:51: Speaker: ist und da ist, dann ist
00:16:52: Speaker: es bei uns dann auch zu Ende. Also
00:16:54: Speaker: hat
00:16:54: Speaker: auch noch andere Gründe. Aber genau,
00:16:56: Speaker: wir sind eine Kriseninterventionsstelle. Genau deshalb
00:17:00: Speaker: bekommen da immer wieder neue Menschen Platz. Das heißt
00:17:04: Speaker: aber auch euch betrifft jetzt
00:17:06: Speaker: auch die Krise, die gerade
00:17:07: Speaker: im Psychotherapiebereich ja
00:17:11: Speaker: immer schwieriger wird.
00:17:13: Speaker: Jedenfalls das,
00:17:13: Speaker: was ich beobachte, betrifft euch wahrscheinlich auch,
00:17:16: Speaker: oder? Auf jeden
00:17:17: Speaker: Fall. Genau. Wenn
00:17:18: Speaker: die
00:17:18: Speaker: Menschen dort lange auf dem Platz warten, dann denke ich, ist
00:17:21: Speaker: es hilfreich, bei uns Stabilität erstmal zu finden. Ja. Ja.
00:17:26: Speaker: Und
00:17:26: Speaker: wenn jetzt Menschen zuhören, die
00:17:28: Speaker: vielleicht sagen, 'oh, das
00:17:29: Speaker: ist so toll, was ihr da macht', wie
00:17:30: Speaker: kann man euch unterstützen? Also
00:17:33: Speaker: zum
00:17:33: Speaker: einen kann man uns unterstützen, indem man von uns erzählt und
00:17:37: Speaker: gerade Menschen, die uns brauchen können. Ja eben
00:17:42: Speaker: weitersagen: Meldet euch vielleicht bei denen. Und dann
00:17:45: Speaker: ist aber auch tatsächlich sind
00:17:47: Speaker: wir immer am Kämpfen darum,
00:17:49: Speaker: dass es weitergeht. Leider
00:17:50: Speaker: ist
00:17:51: Speaker: das ja an vielen Stellen im sozialen Bereich so und wir
00:17:54: Speaker: sind leider nie komplett langfristig finanziert und sind über jede
00:17:58: Speaker: Spende total dankbar, dass wir weiterarbeiten können. Und da
00:18:02: Speaker: findet man wahrscheinlich auf eurer Homepage...? Genau die
00:18:06: Speaker: Kontonummer. Genau. akl-heilbronn.de.
00:18:10: Speaker: Genau.
00:18:10: Speaker: Ja,
00:18:10: Speaker: da
00:18:10: Speaker: sind wir. Keine Schleichwerbung,
00:18:12: Speaker: aber unser Gespräch
00:18:14: Speaker: ist ja auch ein bisschen dadurch
00:18:15: Speaker: zustande gekommen, dass
00:18:17: Speaker: Daniel Ansem in der Podcastfolge
00:18:19: Speaker: erzählt hat, dass er
00:18:20: Speaker: mal eine Spendenaktion für euch
00:18:22: Speaker: gemacht hat in seiner Kirchengemeinde. Genau.
00:18:27: Speaker: Ja,
00:18:27: Speaker: und
00:18:27: Speaker: da muss ich auch Danke sagen an
00:18:28: Speaker: alle, die das wirklich sehen und
00:18:30: Speaker: also auch unsere Not sehen, sozusagen
00:18:32: Speaker: an der Stelle, weil wir
00:18:33: Speaker: wirklich gern weitermachen wollen
00:18:35: Speaker: und uns da unterstützen. Ja,
00:18:37: Speaker: und
00:18:38: Speaker: du hast gerade schon angesprochen, neben
00:18:40: Speaker: der Begleitung von
00:18:41: Speaker: Menschen, die in einer Suizid-Situation
00:18:44: Speaker: sind oder waren, begleitet
00:18:47: Speaker: ihr ja auch in der Trauergruppe
00:18:49: Speaker: Menschen, die jemanden durch
00:18:50: Speaker: Suizid verloren haben. Und
00:18:53: Speaker: im
00:18:54: Speaker: letzten Jahr habt ihr ja erstmals auch
00:18:56: Speaker: eine Trauergruppe für junge
00:18:58: Speaker: Erwachsene speziell angeboten. Was
00:19:01: Speaker: war
00:19:02: Speaker: euch dabei wichtig oder wie kam es dazu? Also tatsächlich
00:19:05: Speaker: war das sogar ein Impuls
00:19:07: Speaker: aus der bestehenden Trauergruppe heraus.
00:19:10: Speaker: Okay, das
00:19:10: Speaker: der Wunsch von jungen Erwachsenen da war quasi ein eigenes Angebot
00:19:15: Speaker: zu bekommen, sich da vielleicht noch aufgehobener zu
00:19:18: Speaker: fühlen mit Menschen, die vielleicht auch noch nicht
00:19:21: Speaker: so viele Trauerprozesse hinter sich haben und da
00:19:23: Speaker: noch andere Fragen herrschen und aber auch in einer ähnlichen Lebenssituation
00:19:27: Speaker: sind. Also sich
00:19:28: Speaker: da eben wohlzufühlen miteinander, weil
00:19:31: Speaker: man da gemeinsame Trauergruppen-Abende
00:19:33: Speaker: hat. Genau
00:19:34: Speaker: so
00:19:34: Speaker: ist das entstanden. Und dann
00:19:35: Speaker: wurde es quasi so eine Herzensangelegenheit, das
00:19:37: Speaker: auch hinzukriegen. Und
00:19:40: Speaker: genau
00:19:41: Speaker: das hat dann letztes Jahr das
00:19:42: Speaker: erste Mal stattgefunden. Und
00:19:44: Speaker: das
00:19:44: Speaker: war eine richtig schöne Erfahrung. Genau. Also
00:19:47: Speaker: auch
00:19:47: Speaker: von der Rückmeldung von denen,
00:19:48: Speaker: die teilgenommen haben. Sehr
00:19:50: Speaker: gut.
00:19:51: Speaker: Das heißt,
00:19:51: Speaker: ihr trefft euch irgendwie fünf,
00:19:53: Speaker: sechs Abende, oder wie
00:19:54: Speaker: sieht das aus - so eine Trauergruppe? Ja
00:19:56: Speaker: genau,
00:19:56: Speaker: das waren fünf Abende. Also einfach
00:19:59: Speaker: um auch zusammenwachsen zu können, um über verschiedene
00:20:02: Speaker: Themen sprechen zu können, hatten wir eben mehrere
00:20:06: Speaker: Abende. Jetzt gerade
00:20:07: Speaker: sind wir am Überlegen, vielleicht auch ein neues Format
00:20:09: Speaker: zu starten. Okay, aber
00:20:11: Speaker: genau da sind wir gerade noch am gucken, ob wir vielleicht auch
00:20:13: Speaker: einzelne Abende anbieten für junge Menschen. Ja, das
00:20:17: Speaker: ist klar - also ich merke es bei unseren LUV-Abenden zum Beispiel
00:20:20: Speaker: auch. Es braucht
00:20:21: Speaker: auch irgendwie dieses Zusammenwachsen von
00:20:23: Speaker: den Einzelpersonen. Also
00:20:25: Speaker: ja,
00:20:27: Speaker: immer so ein bisschen die Frage, was es braucht. Wenn ihr
00:20:30: Speaker: dazu Ideen habt, schreibt uns gerne. Oder vielleicht
00:20:32: Speaker: auch der Caroline direkt. Gern. Sehr
00:20:34: Speaker: gerne.
00:20:35: Speaker: Genau. Wer
00:20:36: Speaker: weiß,
00:20:36: Speaker: vielleicht kommt ja was zustande. Ja, ich
00:20:38: Speaker: glaube, das ist ja immer so die
00:20:40: Speaker: Frage zwischen Commitment auf mehrere
00:20:42: Speaker: Abende und gleichzeitig vielleicht
00:20:45: Speaker: auch den Wunsch nach
00:20:46: Speaker: einem Angebot, da in einer Gruppe
00:20:49: Speaker: auch zusammenzuwachsen und
00:20:50: Speaker: sich kennenzulernen. Und
00:20:54: Speaker: würdest
00:20:54: Speaker: du jetzt sagen, bei eurer Arbeit als AKL werden auch christliche Werte
00:20:58: Speaker: sichtbar? Ich glaube
00:21:01: Speaker: auf jeden Fall, dass wir christliche Werte verfolgen. Also tatsächlich.
00:21:06: Speaker: Oder getragen
00:21:07: Speaker: sind von christlichen Werten. Also ich
00:21:10: Speaker: finde, wenn man, wenn man jetzt
00:21:12: Speaker: sagt, man würde Jesus Beispiel folgen,
00:21:16: Speaker: dann würde man ganz deutlich
00:21:17: Speaker: sagen, er war ganz klar da
00:21:20: Speaker: für Menschen in ganz hilfsbedürftigen Situationen.
00:21:24: Speaker: Und er
00:21:24: Speaker: war da mit viel Respekt und Würde für jeden Menschen, egal wie
00:21:29: Speaker: sehr er am Boden war. Und ich
00:21:32: Speaker: denke, das ist was, was uns -
00:21:34: Speaker: also ich denke, da kann ich für
00:21:35: Speaker: alle AKLer sprechen - ganz wichtig
00:21:38: Speaker: ist, die Menschen zu sehen
00:21:40: Speaker: und sie zu sehen mit ihrer Würde.
00:21:43: Speaker: Ja, und
00:21:44: Speaker: zu versuchen, keine Vorurteile zu
00:21:46: Speaker: haben, sondern viel Respekt.
00:21:47: Speaker: Schön. Das
00:21:51: Speaker: heißt,
00:21:52: Speaker: die Würde kommt als allererstes und
00:21:53: Speaker: danach kommt der ganze Rest?
00:21:56: Speaker: Ich denke
00:21:56: Speaker: Menschenliebe und Würde ist für uns was ganz Essentielles in
00:22:00: Speaker: der Arbeit. Ja. Schön.
00:22:03: Speaker: Und
00:22:03: Speaker: du
00:22:03: Speaker: bietest inzwischen auch immer mehr
00:22:05: Speaker: Präventionsworkshops an, auch
00:22:07: Speaker: in Schulen und vielleicht anderen
00:22:08: Speaker: Einrichtungen. Was
00:22:11: Speaker: machst
00:22:11: Speaker: du dabei für Erfahrungen? Ich mache
00:22:15: Speaker: die Erfahrung, dass es, glaube
00:22:17: Speaker: ich, ganz wichtig ist, mit
00:22:19: Speaker: jungen Menschen darüber zu sprechen,
00:22:21: Speaker: über Krisen, wie die im
00:22:23: Speaker: Leben vorkommen können, wie sie
00:22:25: Speaker: sich stärken können, wie sie sich
00:22:27: Speaker: nicht so hilflos fühlen, wenn
00:22:29: Speaker: die erste Krise kommt. Weil
00:22:31: Speaker: es
00:22:31: Speaker: doch präventiv ganz wichtig ist, gerade wenn die erste Krise
00:22:35: Speaker: kommt, zu wissen, sie ist bewältigbar. Weil umso
00:22:39: Speaker: mehr Krisenerfahrungen wir haben, umso mehr haben wir auch erfahren,
00:22:42: Speaker: wir haben es auch schon mal geschafft, durch eine Krise zu
00:22:45: Speaker: kommen und haben da auch mehr Handwerkszeug. Aber wenn
00:22:49: Speaker: die erste tiefe Krise kommt und
00:22:51: Speaker: wir haben eben diese positive Erfahrung
00:22:53: Speaker: der Bewältigung noch
00:22:54: Speaker: nicht, dann kann es
00:22:56: Speaker: eben auch gefährlich werden. Und
00:22:57: Speaker: deshalb
00:22:58: Speaker: ist es für uns ganz, ganz wichtig,
00:22:59: Speaker: junge Menschen zu stärken und
00:23:01: Speaker: auch nicht nur für suizidale Krisen,
00:23:03: Speaker: sondern für Krisen allgemein.
00:23:05: Speaker: Und eben
00:23:06: Speaker: zu gucken, was kann ich denn konkret tun, was kann mir dann Kraft
00:23:10: Speaker: geben. Wer kann
00:23:10: Speaker: mir Kraft geben? Auch Mut
00:23:13: Speaker: zu machen, sich nicht zu schämen,
00:23:14: Speaker: sondern sich an andere zu
00:23:16: Speaker: wenden, das ist mir ganz wichtig.
00:23:18: Speaker: Ja, das
00:23:19: Speaker: heißt, wie läuft das dann ab? Das heißt,
00:23:21: Speaker: ihr habt da so Programme? Kommen die
00:23:23: Speaker: Lehrkräfte auf euch zu oder
00:23:25: Speaker: geht ihr da ganz proaktiv vor?
00:23:28: Speaker: Wie findet
00:23:29: Speaker: es statt? Das ist
00:23:30: Speaker: recht unterschiedlich, wie wir
00:23:32: Speaker: oft mit den Schulen in Kontakt kommen.
00:23:34: Speaker: Aber sie
00:23:35: Speaker: können sich gerne bei uns melden. Genau. Wir
00:23:38: Speaker: machen
00:23:38: Speaker: Workshops von 90 Minuten. Okay. Also
00:23:41: Speaker: zwei
00:23:41: Speaker: Schulstunden? Zwei Schulstunden,
00:23:42: Speaker: genau. Und gehen
00:23:44: Speaker: eben ab Klasse acht in die Schulen
00:23:46: Speaker: und sprechen dort mit den
00:23:48: Speaker: Schüler:innen und stellen natürlich
00:23:52: Speaker: auch unser Angebot vor
00:23:54: Speaker: und reden aber eben auch ganz
00:23:56: Speaker: konkret darüber, was ihnen Kraft
00:23:58: Speaker: geben kann, was sie tun können
00:23:59: Speaker: und vermitteln aber auch Wissen
00:24:01: Speaker: und Fakten zum Thema suizidale Krise.
00:24:04: Speaker: Weil wir
00:24:04: Speaker: ganz fest der Meinung sind, umso
00:24:06: Speaker: mehr Wissen man hat zu Themen,
00:24:08: Speaker: auch zu solchen schweren Lebensthemen,
00:24:10: Speaker: umso sicherer ist
00:24:11: Speaker: man doch dann, wenn es eintritt.
00:24:14: Speaker: Ja, also
00:24:14: Speaker: Bildung ist, glaube ich, ein
00:24:15: Speaker: ganz großer Aspekt in vielen Themen.
00:24:18: Speaker: Ich denke
00:24:18: Speaker: da tatsächlich dran, als ich in der Schule war, wir hatten so
00:24:21: Speaker: Präventionstage zu Alkohol und Drogen und so. Also ich
00:24:25: Speaker: hätte es glaube ich, total cool
00:24:27: Speaker: gefunden, wenn es da auch so
00:24:28: Speaker: ein Präventions-, jetzt muss es
00:24:30: Speaker: nicht einen Tag sein, aber so
00:24:32: Speaker: ein Präventionsworkshop zum Umgang
00:24:34: Speaker: mit Krisen gegeben hätte. Ja.
00:24:36: Speaker: Also
00:24:37: Speaker: ziemlich cool. Wär ich gern gekommen.
00:24:40: Speaker: Ja. Genau. Und jetzt
00:24:43: Speaker: vielleicht
00:24:44: Speaker: auch,
00:24:44: Speaker: bevor wir ans Ende kommen... Wir sind jetzt schon
00:24:46: Speaker: wieder ein paar Minuten auf Sendung. Gibt es noch mal
00:24:50: Speaker: so eins, was du, wo du sagst: Hey, da erlebst du wirklich das, was
00:24:55: Speaker: du tust, als sinnvoll und erfüllend? Ich erlebe das wirklich
00:25:02: Speaker: in ganz mannigfaltiger Weise, würde ich sagen, in meiner Arbeit.
00:25:08: Speaker: Ich erlebe es immer
00:25:11: Speaker: ganz deutlich, wenn ich das
00:25:12: Speaker: Gefühl habe, Menschen fühlen sich
00:25:14: Speaker: von mir gesehen und wir
00:25:16: Speaker: sind in Kontakt. Und glücklicherweise passiert
00:25:21: Speaker: das
00:25:22: Speaker: relativ häufig in meinen Begleitungen, dass sich Leute
00:25:26: Speaker: da auch drauf einlassen und sich sehen lassen sozusagen und
00:25:30: Speaker: mit mir in Kontakt sind. Und ich muss sagen,
00:25:33: Speaker: das berührt mich dann auch. Und doch ich, ich
00:25:38: Speaker: biete wirklich gern den Raum. Also ich merke, ich
00:25:41: Speaker: mache diese Arbeit deshalb wirklich, glaube ich, wirklich gern. Ja,
00:25:45: Speaker: ich glaube, das
00:25:45: Speaker: hat man heute auch gemerkt. Es ist ein absolutes
00:25:48: Speaker: Herzensprojekt irgendwie auch von
00:25:49: Speaker: dir. Ja. Ja,
00:25:50: Speaker: schön. Und
00:25:53: Speaker: dann kommen wir
00:25:54: Speaker: jetzt auch schon zur letzten Frage. Wir sind ja beim
00:25:56: Speaker: HOLY.BRONX Podcast. Gab es in
00:25:59: Speaker: deinem Leben
00:25:59: Speaker: so einen Moment, wo du sagst, das
00:26:01: Speaker: ist ein heiliger Moment, der dir besonders
00:26:03: Speaker: in Erinnerung geblieben ist?
00:26:08: Speaker: Also, es gibt
00:26:09: Speaker: einen Moment,
00:26:10: Speaker: der sehr schwer war in meinem Leben, der mir aber heute immer
00:26:14: Speaker: noch viel Kraft gibt. Ich weiß nicht, ob der
00:26:18: Speaker: heilig ist, aber er ist sehr wichtig für mich, für meine Entwicklung
00:26:22: Speaker: oder für das, was ich jetzt hier vielleicht auch tue. Und zwar
00:26:26: Speaker: war das direkt
00:26:27: Speaker: nach meinem schweren Unfall, hatte ich
00:26:28: Speaker: ja erzählt, den ich
00:26:29: Speaker: ja nur ganz knapp überlebt habe und
00:26:32: Speaker: quasi dann auf der Intensivstation
00:26:34: Speaker: war. Ich hatte eine
00:26:35: Speaker: Lungenembolie nach
00:26:37: Speaker: einem Verkehrsunfall und lag
00:26:40: Speaker: dann da auf der
00:26:40: Speaker: Intensivstation, war noch beatmet und
00:26:42: Speaker: habe mitbekommen, dass
00:26:43: Speaker: die Ärzte gesagt haben:
00:26:45: Speaker: "Über den Berg ist sie
00:26:46: Speaker: noch nicht." Und ich weiß, dass
00:26:50: Speaker: das
00:26:50: Speaker: viel in mir angestoßen hat, mir zu zeigen, wie fragil das Leben
00:26:53: Speaker: ist und wie wertvoll aber auch und wie groß dann der Kampf
00:26:57: Speaker: in mir war, weiterleben zu dürfen. Und mein Vater war damals
00:27:03: Speaker: jeden Tag bei mir am Krankenbett solange es ging. Der hat
00:27:06: Speaker: die volle Intensivstationszeit
00:27:08: Speaker: ausgenutzt und hat mit
00:27:09: Speaker: mir gemeinsam
00:27:10: Speaker: gekämpft. Und ja, das hat
00:27:13: Speaker: viel
00:27:13: Speaker: in mir, in mir bewirkt. So auch dankbar zu sein.
00:27:17: Speaker: Ja, vielen Dank fürs Teilen.
00:27:21: Speaker: Ja, sehr gern. Vielen Dank,
00:27:23: Speaker: dass du da
00:27:24: Speaker: warst, dass du uns von deiner Arbeit und jetzt auch von deinem
00:27:27: Speaker: heiligen oder vielleicht einfach besonderen Moment erzählt hast, dass
00:27:31: Speaker: du uns mitgenommen hast. Und euch vielen Dank fürs
00:27:35: Speaker: Zuhören. Vielen Dank, dass ihr bis
00:27:37: Speaker: hierher zugehört habt. Ihr habt jetzt auch ein
00:27:40: Speaker: bisschen mehr darüber erfahren, was der
00:27:41: Speaker: Arbeitskreis Leben so alles macht.
00:27:44: Speaker: Und vielleicht nehmt ja
00:27:46: Speaker: auch
00:27:46: Speaker: ihr die positive Botschaft mit, dass Krisen bewältigbar sind. Das würde
00:27:51: Speaker: uns beide, glaube
00:27:52: Speaker: ich, sehr freuen. Ja, es würde mich sehr
00:27:54: Speaker: freuen. Und dann macht's gut und
00:27:56: Speaker: wir hören uns vielleicht bald wieder.
00:27:58: Speaker: Ciao. Tschüss.
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