Und das trägt mich auch!

Shownotes

In dieser Folge spricht Sarah Harst mit Rivka Schunk, evangelische Pfarrerin an der Kilianskirche Heilbronn.

Rivka erzählt, warum sie sich früher nie vorstellen konnte, Pfarrerin zu werden und was ihr FSJ in Südamerika damit zu tun hat. Sie nimmt uns mit in die Heraufforderungen, vor denen Kirche in Südamerika steht und wie die Menschen dort sich fragen, wer sie als Kirche sein möchten.

Außerdem erzählt sie, wie unterschiedliche Menschen ihren Glauben geprägt haben und wo auch Zweifeln immer wieder dazu gehört. Welches ihr heiliger Moment war, erzählt sie ganz zum Schluss.


Mit HOLY.BRONX macht sich Sarah Harst auf die Suche nach Menschen und ihren Geschichten. Sie fragt, was heute wichtig, wertvoll und heilig ist oder sein könnte.


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Dieser Podcast ist Teil des wirdwas.fyi-Netzwerks für junge Erwachsene in der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Transkript anzeigen

Interview_Rivka_Schunk

Und das trägt mich auch - mit Rivka Schunk Hallo und herzlich willkommen zu HOLYBRONX, dem Podcast, bei dem ich mich auf die Suche mache nach Sinn, Glauben und Leben. Heute habe ich die liebe Rivka zu Gast. Schön, dass du da bist. Danke für die Einladung. Ja, ich freue mich. Du bist evangelische Pfarrerin in der wohl bekanntesten Kirche Heilbronns. Stell dich doch einfach mal noch kurz für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer einfach kurz vor. Rivka Schunk, Mein Nachname. Ich bin Pfarrerin an der Kilianskirche, jetzt seit September, schon seit sechs Jahren insgesamt Pfarrerin und war davor in Genf beim Lutherischen Weltbund. Und ja, ich freue mich jetzt heute hier zu sein. Das ist so ein kleines Highlight in dem Pfarrersalltag und ich freue mich auch einfach hier mit der Sarah die gute Zusammenarbeit. Wir machen das jetzt seit einem Jahr immer wieder Projekte und schön. Mich hat als erstes einfach mal interessiert: Du bist Pfarrerin, Was hat dich denn damals motiviert? Oder warum hast du ausgerechnet damals Theologie studiert? Das ist eine gute Frage. Also tatsächlich, die stellt man sich immer wieder, auch während des Theologiestudiums. Ich bin Pfarrerstochter, also tatsächlich kenne ich den Beruf schon immer. Meine Eltern sind beide Pfarrpersonen und das war aber am Anfang für mich immer ein Grund zu sagen: Nee, diesen Beruf mache ich nicht, weil ich immer von früh auf schon erlebt habe, was es bedeutet, wenn deine Eltern hin- und hergerissen sind zwischen Gemeinde, zwischen Familie. Und es ist doch auch ein Beruf ist, der du kannst, den das Private ganz schwierig manchmal trennen und man ist als Familie auch immer Teil der Gemeinde. So, und dann war ich in der Schule und habe ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht in Paraguay und hab dort gemerkt, also im Gespräch mit den Leuten dort, ich kann keinen Bürojob machen. Also für mich war klar, entweder gehe ich in der NGO, ich werde Pfarrerin, weil es klar ist, mit Menschen arbeiten und oder Medizinerin. Ich kann kein Blut wirklich sehen. Also Medizinerin ist raus. Und es war einfach tatsächlich so ein Erlebnis dort: Wir hatten dort ein Projekt, wo wir quasi Kinder aus einer Armensiedlung zur Schule gebracht haben, weil die sonst nicht zur Schule gegangen wären und die auch wirklich wenig hatten. Und die haben uns dann eine Familie hat uns eingeladen, abends, mich und meinen Mitfreiwilligen, und die hatten ganz wenig und hatten auch gerade, ja konnten sich die Operation von der Oma nicht leisten usw. Und dann sagt die Mutter da: "Aber Gott, Gott steht mir bei - bei allem." Und es ging mir so durch Mark und Bein. Die hatten echt also dieses Gottvertrauen, dass ich gedacht habe, ja, und das trägt mich auch Gottvertrauen und diese Verbindung zwischen Glaube, Menschen helfen, bei Menschen sein, Menschen begleiten von Taufe, also von Beginn bis zum Sterben, immer wieder in verschiedenen Stationen da sein. Das ist ein toller Beruf mit Flexibilität und Freiheit, den ich sonst wo nicht habe. Und ja, ich konnte mir das dann doch gut vorstellen und habe das Studium begonnen. Und trotz auch mancher Glaubenskrisen zwischendrin. Aber ja, genau das war so mein langer Weg. Aber zum Theologiestudium. Ja, cool. Was hast du denn da genau gemacht? In Paraguay? Genau in Paraguay. Ja, also über das Gustav Adolf Werk bin ich entsandt worden und war dann dort bei einem Projekt, das mit der Kirche dort auch zusammenhängt. Das ist eine Familie, die vor Jahren ausgewandert ist und eine Deutsche, die aber eine Farm haben neben einer illegalen Siedlung. Und die haben dann gesagt, nachdem es dort Überschwemmungen gab und auch Kinder gestorben sind, verhungert sind: Wir müssen was tun und haben einen Bildungs-Patenschaftsprojekt eröffnet. Übrigens, also den Förderverein dazu machen mittlerweile wir Freiwillige, die damals da waren. Also wir haben diesen Verein und fördern das noch weiter. Es ging darum, diese Kinder, die in diesen Bildungspatenschaften sind, zum Nachmittagsunterricht zur Schule zu fahren. Camps haben wir gemacht, Freizeitprogramm, weil die so was nicht haben. Also genau so ein bisschen mit den Familien dort in Kontakt kommen und so, das waren damals zwanzig Kinder. Mittlerweile fördern wir fünfzig Kinder. Cool, spannend. Das heißt, es ist auch so ein bisschen eine Art internationale Kinder- und Jugendarbeit? Kann man so sehen. Genau. Also wir nennen es Zukunft. Bildung schafft Zukunft. Genau. Ja, Einfach weil - das lernt man in diesem Jahr im Ausland ganz schnell. Was gute Bildung ist. Unsere Schüler hier - Ich bin auch Relilehrerin - also die schätzen das nicht so sehr hier, aber es ist tatsächlich so: Bildung ist der Grundbaustein. Und das wollen wir denen ermöglichen, dass sie auch überhaupt mal träumen können von der Zukunft, die sie selbst gestalten können. Und insofern ja Jugendarbeit. Also es war auch bei diesen Bildungscamps, war schon auch manchmal mit so einem christlichen Aspekt, den ich dann auch mit eingebracht habe. Aber es ging darum Gemeinschaft und Zukunft, Bildung. Ja, so gemein. Ja spannend, cool. Und welche Skills aus dieser Zeit damals nutzt du heute? Was würdest du sagen? Was hat dich aus dieser Zeit am meisten für deine jetzige berufliche Zukunft geprägt? Also es war so: in anderen freiwilligen Projekten, wenn man bei einer Kindertagesstätte oder so ist, dann ist der Ablauf ganz klar, was du machst. Wir kamen dahin und es hieß: "ja, macht mal was." Also und dieses "Macht mal was!" und sich selbst eine Struktur bauen, Ideen entwickeln, so ein bisschen das Projektding, das habe ich ganz arg mitgenommen von der Zeit und auch diese Freiheit. Ich probiere es aus und wenn es nicht läuft, dann läuft es halt nicht. Sich Sachen zusammenzustellen und jetzt nicht zu sagen, es geht nicht, sondern: probiere es. Es kann viel gehen, wenn man sich einfach nur traut. Und genau eine der wichtigen Skills, glaube ich. Ja. Spannend, weil das ist jetzt schon auch wenn ich dich beschreiben würde, wäre es glaube ich mit aus so so die Aspekte, die mir einfallen würden, dass du einfach startest, was loslegst und Dinge ans Laufen bringst. Und du bist ja auch jemand, die sich für neue, innovative Ideen begeistern lässt. Ich glaube, das ist uns gemeinsam. Manchmal zu sehr - genau. Ja, deswegen richtig cool. Spannend, dass ich das dann auch in der Zeit schon entwickelt hat. Genau. Ich denke, da sind die ersten Impulse gekommen. Und ja, überhaupt auch mit Leuten neue Leute kennenzulernen. Und wie spannend! Jeder von uns trägt eine Geschichte, die individuell ist und das zu entdecken. Ich glaube, das ist das andere: so ein bisschen Menschen als mit ihrer Geschichte wahrzunehmen. Ja, spannend. Und heute hast du ja auch wieder FSJlerinnen und FSJler. Ist das schon so ein bisschen die Brücke, die sich da auch schlägt, dass du sagst okay, du hast damals so coole Erfahrungen gemacht, dass du sagst okay, das brauchen wir hier auch in Kirche in Deutschland. Absolut! Also ein Traum von mir wäre auch, dass wir diesen Süd-Nord-Austausch weiter fördern, also dass wir nicht nur mit weltwärts. Also man kann Freiwilligendienst heute auch sehr kritisch sehen. Dieses Privilegierte, wir schicken unsere Jugendlichen in die Welt, aber umgekehrt fördern und genau dieses Erlebnis auch, also sowohl den Jugendlichen hier, dass die mit Internationalen und deren Lebensgeschichte in Kontakt kommen, aber auch für die da sein, weil es so ein Kulturschock ich weiß wie das ist. Und wenn man keine Sprache spricht und dann irgendwie so herkommt, ja, genau deswegen. Das ist schon ein Anliegen. Ja. Genau. Also ich weiß nicht, wie viele du schon hast, aber wir sind immer mal wieder im Gespräch, dass internationale Studierende, FSJler, Freiwillige mit dir unterwegs sind und. Also es ist jetzt es waren letztes Jahr zwei aus Saba und jetzt sind zwei aus Indien, kommen aber erst Anfang März. Genau, die fangen dann neu hier an. Ja, dann sind wir mal gespannt. Jetzt haben wir schon über deine FSJlerinnen-Geschichte gehört. Aber du hast ja ganz viele internationale Erfahrungen gemacht und bin viel gereist. Ich weiß nicht vor allem im Studium, während dem Studium, ob das zusammenhing oder einfach so, dass du neugierig bist auf die Welt und die Menschen mit ihren Geschichten? Nimm uns doch mal mit auf so ein Erlebnis, wo du sagst das ist dir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Also ja, also genauso diese Welt irgendwie, das ist mir auch schon in die Wiege gelegt, würde ich sagen. Von meinem Vater. Der hat ist gern gereist mit uns. Ja, welche? Es gibt so viele Geschichten. Eins was mich jetzt auch zum Thema Kirche sehr bewegt hat, war wieder tatsächlich Lateinamerika. Wir hatten da eine Konferenz beim Lutherischen Weltbund, wo es darum ging, welche Schritte wollen die sehr kleinen Kirchen dort, also die lutherische Kirche, mit der ich da im Kontakt war, gehen. Und die stehen vor der Herausforderung noch mal ganz anders als wir. Ich meine, ich hoffe, dass bei uns nicht so wird, aber die gerade in Brasilien. Also sagen wir mal einfach eine politische Wirklichkeit, die schlimm ist für ganz viele und die mit Diskriminierung, aber auch Gewalt und Manipulation, Emotionen und auch den Glauben dafür sich immer wieder nimmt. Diese Kirchen haben gesagt, wir wollen einen Gegenpol dazu setzen. Wir wollen Kirchen für Safe Spaces sein. Und das hat mich unglaublich beeindruckt, weil die nicht mal zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen in ihren jeweiligen Ländern, sei es Brasilien, Peru, Panama, was auch immer, aber die gesagt haben: "Wir wollen ein Ort sein, wo Menschen, alle Menschen willkommen sind." Und gerade da geht es um die Gender, also dieses ganze Gender-Justice-Ding, das dann oft - gerade auch in konservativen Strukturen - wirklich also auch Gewaltverbrechen gegen Homosexuelle oder anderes, auch Transmenschen. Es gibt aber auch in einem ganz anderen Kontext, wenn es dann um Rassismus oder sowas geht und dass man eben was sagt. Wir drehen uns oft um Ressourcen hier, um Finanzen, um Gebäude, um sonst was. Und die haben so was gar nicht. Also die haben die arbeiten schon immer mit... Die haben schon Gebäude und Kirchen und sehen da auch Probleme. Aber für sie war einfach wichtig: "Wer wollen wir sein für die Menschen?" Das hat mich ziemlich bewegt, muss ich sagen. Also auch noch im Nachhinein so, weil wir uns auch der Frage stellen müssen: "Wer wollen wir sein als Kirche hier?" Und das ist jetzt in diesem Kontext was und sonst gibt es natürlich. Also jeder, der noch nicht in der Welt war: Geht hinaus! Es gibt ganz tolle, ganz beeindruckende Länder und es ist so viel, so wichtig, einfach voneinander zu lernen. Und tatsächlich so diese auch ein bisschen Demut, also so ein altes Wort. Aber tatsächlich, so habe ich gelernt in diesen Kontexten: Wir wissen nicht alles besser und wir gehen da oft, auch wenn wir es nicht wollen, mit so einer Haltung rein in Gespräche. Und man kann sehr viel lernen in solchen internationalen, interkulturellen Kontexten. Auch zum Thema Mission waren wir da immer wieder im Gespräch und ich fand es sehr spannend, wie Leute von ihrem Glauben und wie das Christentum mit ihrer eigenen Kultur noch mal sich zu eigen gemacht haben. Wie wir oft auch mit falschen Vorstellungen in solche Gespräche reingehen. Was würdest du denn sagen, was wir gerade als Christinnen und Christen in Deutschland von Menschen in anderen Ländern lernen können? Gibt es da so was? Du hast angesprochen, wer wir als Kirche sein möchten. Gibt es da so was, wo du sagst das vermisst du hier ganz besonders? Oder vielleicht auch, dass wir manchmal mit Scheuklappen oder ähnlichem durch die Welt gehen. Gerade dieses: Diesen Perspektivwechsel, ohne jetzt naiv zu werden und so natürlich wir, also wir kommen von einem sehr hohen Standard in Kirche. Ich denke, das ist auf beiden Seiten so, dass wir einfach weitflächig und ganz viel ermöglichen können durch diese Kirchensteuer, durch anderes und aber nicht mehr Volkskirche in der Form sein können in Zukunft. Und das hat verschiedenste Aspekte oder verschiedenste Gründe und den Perspektivwechsel, dieses Vertrauen und sich noch mal bewusst werden: Wohin wollen wir und mit was schaffen wir das? Und nicht erst mal gucken, was können wir nicht mehr und dann sich zurückziehen, sondern nach außen offen bleiben. Und wir haben eine unglaubliche Botschaft. Ich meine, bei jeder Beerdigung denke ich mir: Krass, und ich kann jetzt da nicht einfach nur eine Biografie abhandeln und sagen: So schön war's - um es jetzt mal ein bisschen plakativ zu sagen - sondern: Nein, es gibt ein Weiter und wir haben eine Hoffnung und etwas, das trägt. Und ja, ich finde es unglaublich berührend und bewegend. Und wir müssen uns nicht verstecken, auch wenn es um Freiheit, wenn es um moralische Themen geht. Wie gehen wir miteinander um? Also da haben wir ganz viel zu bieten und auch ganz viel unserer Gesellschaft ist darauf aufgebaut. Also ja. Da höre ich jetzt, glaube ich, zwei Aspekte raus: Der eine ist der dieser Werte-Aspekt: Dieses wie gehen wir miteinander um? Wie können wir einander auch auf Augenhöhe begegnen? Und aber zum anderen der christliche Aspekt der Auferstehung. Die Hoffnung auf, dass es nach dem Tod weitergeht. Wie würdest du das formulieren? Was, was da so dass der Kernpunkt ist, wenn du an deine Beerdigungen denkst, was du den Menschen mitgeben kannst. Das eine ist, dass eine Beziehung, eine/die Liebe, die man zu einem Menschen empfindet, nicht aufhört durch den Tod eben. Dass das zum Beispiel auch für mich ganz stark ist: Wir sind Lebende und Tote, getragen von Gott. Das ist eine Verbindung. Und auch wenn ich meine Mutter jetzt nicht mehr neben mir habe, dass sie da ist in dieser Liebe und in dieser Erinnerung und dass sie weiterlebt. Das es jetzt noch eine andere Form ist, auch wenn ich glaube, das kann niemand, kein Pfarrer. Also vielleicht gibt es jemanden, der würde ich gerne das Gespräch, der weiß, wie der Himmel aussieht, aber das ist einfach so... Also das trägt mich auch selbst oft in diesen Gesprächen, dass diese Person nicht einfach nichts - weg - tot ist, sondern dass es eben ein Weiter gibt, dass es so was ich versuche zu vermitteln zumindest in meinen Gesprächen. Und auch noch mal das Leben, das hier auf Erden vergangen ist, zu würdigen und noch mal zu sagen, in jedem noch so, also sind Bruchstücke. Und das gehört dazu, dass da Risse im Leben sind und dass da nicht immer alles toll war. Das ist dieser berühmte Satz zwischen Höhen und Tiefen. Es kommt in ganz vielen Biografien vor, aber das ist trotzdem gut ist und getragen von Gott. Und das eben auch was, was wir hier nicht mehr verbinden können, eben es jemanden gibt, der das alles weiß und kennt und die Person so wie sie war und ist, annimmt. Und was war deine andere, die Wertefrage, war das oder? Die Wertefrage war, glaube ich, eher als Einleitung. Also ich finde, du hast das ganz toll formuliert und ich würde glaube ich noch hinzulegen: Ich glaube, wenn man jemanden vermisst und jemand verstorben ist, ich glaube auch diese Erinnerung an die Person einfach wach zu halten und zu sagen, die Person ist trotzdem Teil meines Lebens. Und ich erinnere mich an sie. Und vielleicht ist das auch ein Teil von diesem Weiterleben-Gedanken, dass das denke ich mir immer wieder, wenn ich mich zum Beispiel an meine Oma oder andere Menschen erinnere. Sie sind doch auch in uns immer wieder gegenwärtig. Genau. Ja, das finde ich einen ganz wichtigen Aspekt. Ich habe da - war es ein Buch oder irgendwie - wo jemand erzählt hat, der fand es ganz schlimm, als ihm bei der Beerdigung seines Sohnes dauernd erzählt worden ist, er muss jetzt Abschied nehmen, weil für ihn dieser Abschied, dieser Abbruch war. Und man muss nicht abbrechen. Also man muss nicht die Person, wie du sagst, in der Erinnerung und in ich sage das dann, oft natürlich eher so in poetischen Worten, im Herzen behalten, aber sie ist noch da und das trägt einen. Und diese Verbindung bleibt, und das hängt für mich auch mit dem Glauben und Gott zusammen Gibt es jetzt gerade vielleicht auch, wenn wir es über Gott und Glauben haben, einen Ort oder ein Moment, wo du sagst, da fühlst du dich, Gott, dem Glauben, vielleicht auch gewissen christlichen Ritualen, evangelischen Menschen besonders verbunden? Oder was, wo du sagst, das ist so was, da kannst du vielleicht auch selber immer wieder Kraft schöpfen? Also mich haben durch meine Biografie oder meinen Werdegang ganz viele verschiedene Menschen im Glauben geprägt. Das waren meine, meine Eltern natürlich, die auch so einen sehr liberalen Glauben auch gelebt haben und uns Kindern auch. Das sind immer wieder in Diskussionen, aber eben diese Freiheit mitgegeben haben. Und meine Ausbildungspfarrerin, die ganz verwurzelt war und diese Reflexion und eine Seelsorgerin durch und durch und das war, das war auch ganz prägend und an die denke ich auch immer wieder gern zurück. Und dann mein Supervisor hieß es beim Lutherischen Weltbund: Ein American Teacher, der aber - also ich war ein bisschen mit Vorbehalten: ohje Amerikaner und zum Teil nur auf Emotionen - aber das war der Wahnsinn, weil er das so authentisch und von ihm nehme ich diese Authentizität mit: Wenn du deinen Glauben eben authentisch lebst. Und er hat andere Worte gefunden für seine Aussage wie ich. Aber er hat einfach die Leute schon mal dadurch bewegt. Und weil du jetzt von Orten. Also das sind so die Personen, die ich gern auch mit denen ich gerne ins Gespräch komme. Wenn ich in Krisen bin, schreibe ich manchmal denen noch. Aber so von den Orten her, ich habe tatsächlich überall. Ich war in Maulbronn, in der Schule, im Seminar - Evangelisch - also das ist so ein Internat, wo ganz wenige kennen, aber ja. Also ja, es ist für die Oberstufe oder Mittelstufe schon ab der neunten Klasse und Maulbronn ist ein Weltkulturerbekloster. Da gibt es einen Gang, wo ich einfach und das ist, glaube ich, das hat mich seitdem schon mitgebracht ich so diese Stille, Einsamkeit und sakrale Räume auch. Und wir waren im Chorgestühl und im Dunkeln. Wir hatten einmal die Woche so eine Andacht, und da standen wir in diesem Chorgestühl, was sonst niemand rein darf, und das war dann dunkel, wurde immer dunkler und wir hatten eine Kerze in der Hand und einfach diesen Moment und sowas. Also als Ritual: Kerzen, Dunkelheit. Diese Symbolik nehme ich immer wieder mit und gibt mir immer wieder Kraft. Und dann finde ich aber auch immer wieder in meinen Orten, wo ich wohne in der Natur. Also ich habe am Bodensee auch gelebt, das war der Spaziergang. Ich musste raus, wenn ich irgendwie die Krise gekriegt habe und das hat mich dann noch mal auch spirituell. Irgendwie hat mir was gegeben - draußen in der Natur - und die am Bodensee ist es halt der See und die Stille. Und da kann man sich so vorstellen. Wunderschön. Am schönsten, wenn die Touristen weg sind, also so im Herbst und so, aber es ist echt so. Auch nach dem Gottesdienst bin ich dann gerne noch mal für ein Bierchen an den See gegangen und in Genf war das ähnlich. Gab es auch ein See. Und jetzt hier ist es tatsächlich der Kiliansturm, weil ich das Privileg habe, auf diesen Turm zu gehen, wann ich will. Und wenn man da oben steht und auf die Stadt runterschaut und dieses Gewusel unter einem - das hat schon was. Also ja, schön. Heißt das, es ist für dich: Beim Glauben spielt auch immer so ein bisschen diese Balance zwischen auf der einen Seite Stille, Zeit für dich und dem Trubel, den Menschen, eine Rolle? Ja, also wenn ich denke: meine Probleme, alles ist schlimm und es kommt noch mal was zusammen und dann soll ich mich da noch kümmern und dann: Puh, das Ganze in Relation zu sehen und zu sehen: hey, das Leben um dich herum geht weiter. Ganz egal, ob jetzt das oder das ist. Und ja, ich glaube das tatsächlich trifft es ganz gut. Cool, jetzt haben wir so viele Geschichten auch von dir und deinen Auslandsaufenthalten gehört. Mega cool. Jetzt: Was hat dich dann nach all der Zeit motiviert, wieder nach Heilbronn zu kommen? Eine gute Frage. Nein, Nein. Also, tatsächlich ich muss sagen, ich bin ja hier aufgewachsen und habe mir geschworen, ich komme nie wieder. Aber die Stadt hat sich verändert. Und ich habe ja auch einfach noch mal eine zweite Chance gegeben. Weil nach meiner Zeit in Genf musste ich noch ein Jahr irgendwo überbrücken, bevor ich verbeamtet werde, bevor man quasi also richtig, man ist schon vorher Pfarrerin, aber man wird dann noch mal einen anderen Status aufgenommen. Das heißt, ein Jahr musste man noch machen. Und meine Familie wohnt im Zabergäu, also Brackenheim in der Nähe. Und ich kannte Heilbronn. Und ich habe gedacht, bevor ich jetzt irgendwo auf der Alb oder sonst wie neu anfangen, komme ich hierher. Und ich war echt positiv überrascht. Ich bin so herzlich willkommen. Also von den Gemeinden und so, habe auch Kontakte, auch mit dir und alles. Also ich muss echt sagen, für mich hat Heilbronn noch mal eine andere Seite. Also ich fand es auch als Jugendliche gut, nur da war es halt die Bronx und man hat halt von der großen weiten Welt geträumt gell, und.... Aber jetzt muss ich sagen, es macht sich viel, also nicht nur mit IPAI und sonst was, sondern man bemüht sich diese Stadt noch mal auch mit dem Interkulturellen, dem Schatz. Und da möchte ich auch Teil davon sein. Wir haben viele Diskussionen, viele Probleme, sicher auch auch gesellschaftliche. Es gibt immer größer. Wir haben die ganz Reichen, die auch zum Teil meine Gemeindemitglieder sind. Und ich habe aber hier als Innenstadtgemeinde auch die Leute wirklich auf der anderen Seite, die nicht wissen, was sie jetzt machen sollen, weil sie aus ihrer Wohnung geschmissen werden und - also die wird renoviert, aber dann können sie sie sich nicht mehr leisten. Und so diesen Zwiespalt und da mit zu agieren als Kirche und auch mitzugestalten, gerade eben mit euch, mit dem Quartierszentrum. Auch so dieses Thema: Wie kommen wir interkulturell, interreligiös ins Gespräch? Und das ist auch ein Anliegen von mir, dass ich auch mittrag. Ich war über meine Zeit in Israel, auch in Jerusalem. Der jüdisch-christliche Dialog lag mir schon immer nahe. Aber auch muslimisch-christlichen Dialog habe ich jetzt immer wieder auch Kontakte und gute Erfahrungen hier und jetzt gibt es einen Rat der Religionen - hoffentlich bald. Also wir sind dran und lauter solche Sachen. Ich finde es mega, da Teil davon sein zu können und bei dieser Entwicklung wirklich sich auch als Kirche bewusst und ökumenisch bewusst ins Gespräch zu bringen. Und da habe ich ganz tolle Anknüpfungspunkte gefunden. Cool, dann kann ich eigentlich nur sagen: Schön, dass du heute da bist und dass du aber auch Heilbronn eine zweite Chance gegeben hast und immer noch gibst. Wir freuen uns auf viele Begegnungen und die allerletzte Frage: Welcher heilige Moment - Wir sind ja beim HOLYBRONX-Podcast - besonders in Erinnerung geblieben? In meinem ganzen Leben würde ich sagen: das ist schon besonders, also der Ostergottesdienst auf dem Mount Olive, also in Jerusalem, mit Sonnenaufgang über dem Toten Meer und Jericho. Das war tatsächlich so an, also wir mussten erst auf diesen Berg hoch und dann war das aber so eindrücklich. Ich glaube, das ist einer meiner heiligen Momente. Würde ich auf jeden Fall sagen. Und dann gibt es noch ganz viele Begegnungen mit Menschen. Und das ist das. Das ist immer wieder ein heiliger Moment, wenn man merkt, Leute öffnen sich und erzählen dir Dinge, die sie irgendwie sonst niemandem erzählen würden, vielleicht. Und die, die sie dir anvertrauen und wissen: also bei dir ist es sicher - so genau. Schön. Dann bedanke ich mich bei dir und sag auch euch vielen Dank fürs Zuhören. Schön, dass ihr dabei wart und wir hören uns bald wieder. Macht's gut.

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